Berichte aus der Mobilen Jugendarbeit

Auf dieser Seite berichten wir regelmässig über interessante Themen im Zusammenhang mit öffentlichem Raum, Geschichten aus der aufsuchenden Jugendarbeit und allgemeines zum Thema.

Jugend und Aneignung im öffentlichen  Raum

Jugendliche im öffentlichen Raum polarisieren. Oft fehlt das Verständnis weshalb Jugendliche sich auf einem Spielplatz, einer Parkbank oder sonstigen Plätzen treffen. Dies führt zu Konflikten mit Anwohner oder anderen Nutzern eines Platzes, was bis zu Vertreibungen durch repressive Massnahmen führen kann. Dieser Beitrag erklärt, weshalb Aneignungsprozesse geschehen, weshalb diese essentiell für die Entwicklung Jugendlicher sind und was dies für die Erwachsenen bedeutet.Die Auflösung traditioneller Normen und die Befreiung der Jugendlichen von vorgeplanten Lebensläufen haben auch einen Bedeutungsverlust von Institutionen, Rollen und Normen zur Folge. Dies führt dazu, dass Jugendliche sich vermehrt sozialräumlich[1] Orientieren. Es lässt sich nicht leugnen, dass Kinder und Jugendliche zunehmend aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden. Durch die weitgehende Verplanung und Funktionalisierung aller öffentlichen Flächen, findet diese Verdrängung mit einer steigenden Rasanz statt. Dennoch zeigen viele Beispiele, dass es Jugendlichen auch heute noch gelingt, sich Räume anzueignen (zum Teil mit grossem Risiko) und sich zu inszenieren (zb. Skaten), Hindernisse zu überwinden (Parcours) und sich abzubilden (Sprayer). Erst durch die Tätigkeit oder um sozialräumlich zusprechen durch die menschliche Handlungsraum, wird ein Ort für Jugendliche zum Sozialraum. Es wäre aber verkürzt den Jugendlichen einfach Plätze hinzustellen, welche diesen Tätigkeiten entsprechen.

Die menschliche Entwicklung ist geprägt durch eine tätige Auseinandersetzung und Deutung seiner Umwelt. Dabei eignet sich der Mensch die ihn Umgebende materielle wie auch symbolische Kultur an. Kinder und Jugendliche eignen sich Sozialraum durch zwei Prozesse an. Einerseits verinnerlichen sie einen Raum mit den vorhanden Menschen, Güter und Strukturen, andererseits errichten und bauen sie sich ihre eigenen Handlungsräume (was durchaus konträr zu gesellschaftlichen Vorgaben geschehen kann). Das Erwachsensein ist geprägt durch verschiedenste Lebenswelten (Familie, Beruf, Hobbys, Hobbyraum, Stammtisch etc.), welche wir uns im Verlauf unseres Lebens angeeignet haben. Aneignen von Lebenswelten heisst heute, sich Räume zu schaffen und nicht nur vorhandene gegenständlich anzueignen.  Durch die Wechselwirkung zwischen jugendlichen Entwicklungsdynamik und der gesellschaftlichen Definition von Räumen ergeben sich Bildungs- Lern- und Sozialisationsprozesse.    Im Unterschied zu Erwachsenen, welche sich durch ihre Arbeit, Familie, Freizeit definieren, sind Jugendliche auf Orte und Situationen angewiesen, in denen sie sich abbilden, in denen sie ihre Identität entwickeln und sich identifizieren können. Denken sie einmal zurück, gibt es einen Ort ihrer Jugend, mit welchen sie sich damals identifiziert haben. Sozialräume sind deshalb für Jugendliche, neben Gestaltungs- auch Bildungsräume, Orte in denen sich Jugendliche entwickeln, sich mit Werten und Normen der Gesellschaft auseinandersetzen und prägende Erfahrung gesellschaftlicher Teilhabe machen. Wenn Jugendliche die ihnen zugewiesen jugendbezogenen Räume verlassen, markiert dies eine neue Qualität der Persönlichkeitsentwicklung und für uns als Gesellschaft eine riesige Chance. Die Jugendlichen üben in einem selbstbestimmten und aktiven Prozess ihre gesellschaftliche Rolle ein. Sie lernen sich in Konfliktsituationen zu behaupten, müssen sich wiedersetzen, durchbrechen Regeln, lernen aber auch die dem Raum innewohnenden gesellschaftlichen Vorgaben und die damit verbundenen Handlungsräume kennen. Öffentliche Räume sind deshalb als wichtige Lernräume zu sehen. Die Entwicklungsaufgabe, den eigenen Platz in der Öffentlichkeit und Gesellschaft zu finden und entsprechende Kompetenzen auszubilden, wird damit angegangen. Was denken sie, lernt ein Jugendlicher in Bezug auf „mein Platz in der Gesellschaft“ und an Konfliktlösungskompetenzen, wenn sie einen Jugendlichen vertreiben, anschreien oder die Polizei vorbei schicken?

Doch was denken die Jugendlichen selbst. Die Juvenir-Studie, welche 2012 zum Thema 1000 Umfragen unter Jugendlichen in der gesamten Schweiz durchführte, eröffnet einiges an Erkenntnissen. 72 Prozent der Jugendlichen sehen unter anderem fehlende Akzeptanz der Erwachsene als Ursache von Konflikten im öffentlichen Raum. Jugendliche selbst verstehen es als selbstverständlich, dass sie Rücksicht auf andere Nutzergruppen und Platzbewohner nehmen. Sie formulieren aber auch durchaus selbstbewusst Forderungen. Die Jugendlichen fordern eine höhere Akzeptanz- und Toleranzschwellen für jugendspezifisches Verhalten und Bedürfnisse. Die Jugendlichen wünschten sich, dass die Erwachsenen mehr das Gespräch mit den Jugendlichen suchen.

Die Jugendlichen sind, wie auch die meisten Erwachsenen, an einem konfliktfreien Miteinander in der Öffentlichkeit interessiert und sind auch bereit, vereinbarte Regeln einzuhalten. Dabei ist es nicht nur wichtig mit welchen Massnahmen Konflikte beigelegt werden, sondern auch auf welchem Weg dies geschieht. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Akzeptanz der Erwachsenen und Selbstreflexivität der Jugendlichen. Tragfähige Aushandlungen, welche auf gegenseitiger Akzeptanz und einem Austausch zwischen Generationen untereinander oder zwischen Jugendlichen und Gemeinde führen einfacher zu einer Konsensfindung. Konsensfindung ist ein Grundmodell des liberalen Demokratie- und Gesellschaftsverständnis der Schweiz, warum sollten wir dann mit Jugendlichen anders umgehen. Die Beilegung von Konfliktsituationen und die Teilhabe an dieser Konsensfindung bietet ein riesiges Lernfeld für die Jugendlichen. Den Jugendlichen wird dadurch eine Möglichkeit geboten, schon früh ein Demokratieverständnis zu entwickeln. Es bildet sich eine Bildungsmöglichkeit, welche Jugendlichen ermöglicht zu verstehen, was es heisst mitzubestimmen, teilzuhaben und demokratisch getroffene Entscheidungen zu akzeptieren. Den Jugendlichen diese Bildungsmöglichkeit zu verweigern, heisst nicht zuletzt das verfassungsmässig geschützte schweizerische Demokratieverständnis in Frage zu stellen.

(1) Sozialraum: Sozialraum besteht aus zwei Komponenten. Objektiver Raum (Platz, Strasse, Quartier, Treff etc.) und subjektive Komponente (Sozialraum ist gesellschaftlicher Raum und menschlicher Handlungsraum). Die subjektive Komponente lässt sich folgendermassen erklären. Der Raum ist durch gesellschaftliche Vorgaben strukturiert (Spielplatz= Kinder spielen auf den Geräten), dies eröffnet menschliche Handlungsräume (spielen, kreischen, Spass haben) beschränkt aber auch Handlungsräume (kein Alkoholkonsum, keine Hundehalter, kein auf der Rutschbahn liegend lesen).

Quellen:

Deinet, Ulrich/Krisch, Richard (2013). Das sozialräumliche Muster in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. In: Deinet, Ulrich/ Sturzenhecker, Benedikt (Hrsg.) Handbuch offene Kinder- und Jugendarbeit. S. 311-324. Wiesbaden,Springer 

Kittel, Tilmann/Müller, Daniela/Nell, Pina/Steiner, Michael (2012). Juvenir- Studie 1.0. Unser Platz-Jugendliche im öffentlichen Raum. Eine Studie von Prognos im Auftrag der Jacobs Foundation. Zürich,Jacobs Foundation    

 

Fussballspiele in Wettingen bleiben ohne Tore

Diese Tatsache liegt nicht daran, dass die Jugendlichen von Wettingen nicht den nötigen Torriecher hätten, nein, vielmehr liegt es daran, dass Fussballplätze in Wettingen zumindest in den Ferien ihre Tore abgeschlossen haben. Der Ausspruch: „Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan“, bekommt eine ganz neue Bedeutung. Ein Kommentar der Mobilen Jugendarbeit Region Limmattal der Gemeinde Wettingen

Schulhaus Altenburg: Tore bleiben abgeschlossen

 

Als ich an einem schönen Nachmittag wieder auf den Strassen Wettingens unterwegs war Ein wenig erstaunt beobachtete ich diese Tatsache als ich auf dem Schulhausplatz Altenburg ankam. Ein Platz, welcher an freien Nachmittagen regelmässig Austragungsort informeller Fussballturniere ist. „Es ist mega blöd, diese Tore klaut doch niemand“, war die Antwort eines der Jugendlichen, welcher in voller Fussballmontur auf Torsuche war. „Ich glaube die wollen einfach keine Jugendlichen“, meinte ein anderer. Auf dem Rasen der Bezirksschule das gleiche Bild. Drei Jugendliche versuchten trotzdem, die am Zaun angemachten Tore irgendwie zu nutzen. Auch hier war der Ton ziemlich enttäuscht. „Die Erwachsenen wundern sich immer, dass die Jugendlichen nur herumhängen, doch irgendwie verhindern sie alles was man machen kann“ meinte der einte davon. „Zum Fussball gehören nun mal Tore“ sagte der andere.

 „Es ist mega blöd, diese Tore klaut doch niemand“

Auch auf der Wiese der Bezirksschule werden in den Ferien keine Tore geschossen

 

Nun auch aus der Perspektive der Jugendarbeit  scheint es mir bedenklich. Fussball ist seit jeher eine Sportart, welche die Jugend begeistert. Selbstorganisation, Teamgeist, Koordination, Fairplay, Aggressionsabbau sind Bestandteil dieser Ballsportart. Fussball trägt somit sehr viel zum Erwachsenwerden  der Jugendlichen bei. Wer erinnert sich nicht mit einem kleinen Lächeln an die „Bolzspiele“ in den grossen Pausen der Schule. Durch das Abschliessen der Tore in den Ferien, nehmen wir den Jugendlichen einen Teil ihres Sozialisationsfeldes weg und tragen selbst zum Bild der Herumhängenden oder am Smartphone klebenden Jugendlichen bei. Deshalb scheint es mir wichtig, Möglichkeiten zu diskutieren, damit in Zukunft die Jugendlichen, Kinder und Familien die Fussballfelder auch während den Ferien zweckentsprechend nutzen können. Wer weiss, vielleicht kommt dann auch der nächste Shaqiri, Inler oder Lichtsteiner aus Wettingen. Eine Vorstellung welche mir auf jeden Fall gefällt.

     

(FU) 

 

Der öffentliche Raum und die damit verbundene Schwierigkeiten

Ausgangslage

 

Der Umgang mit dem öffentlichen Raum prägt den Diskurs in unserer Gesellschaft noch heute stark. Dabei stehen die negativen Auswirkungen dabei im Vordergrund. Bei  Themen wie Littering und Vandalismus wird all zu schnell einer Nutzergruppe die Verantwortung übertragen. Dabei hat der öffentliche  Raum einiges mehr zu bieten als nur Vandalismus und Littering und wird auch von mehr als nur einer Nutzergruppe benutzt. Der öffentliche Raum ist für Jugendliche ein Übungsfeld um sich von den Eltern abzugrenzen, sich einen Platz in der Gesellschaft zu erarbeiten und gültige Werte und Normen kennen zu lernen, auszulotsen und sich somit in die Gesellschaft zu inkludieren. Dies geschieht in einem Wechselspiel zwischen Individuum und öffentlicher Raum. Das heisst, der Jugendliche ist Gestalter und wird gestaltet durch die Interaktion mit den verschiedenen Nutzern des öffentlichen Raumes.

Was ist öffentlicher Raum, was sind halböffentliche Räume?

Öffentlicher Raum

Grundsätzlich zählen zum öffentlichen Raum alle Plätze, Orte und Räume, die weder soziale noch physische Grenzziehungen vorweisen. Man unterscheidet drei Typen von öffentlichen Räumen. Als öffentliche Freiräume gelten Grünflächen, Parks, Spielplätze und Strassen, also die Räume, die jedem Gesellschaftmitglied frei zur Verfügung stehen und benutzt werden. Als öffentlich zugänglich verhäuslichte Räume gelten die Räume, die zusätzlich einem weiteren Zweck dienen. Dieser Zweck orientiert sich in der Regel nach dem wirtschaftlichen Grundsatz von Angebot und Nachfrage. Gemeint sind Kaufhäuser, Bahnhöfe oder Gaststätten. Den institutionalisierten öffentlichen Räume werden Sportanlagen, Vereine und Schulhäuser zugeordnet.

Halböffentlicher Raum

Öffentlich zugänglich verhäuslichte Räume und institutionalisierte öffentliche Räume werden als halböffentlich bezeichnet. Das bedeutet, dass diese Räume zwar allen zugänglich, jedoch nicht im Besitz von allen sind. Grundsätzlich besitzt eine Privatperson oder eine Institution diese Räume. Auch unterscheidet sich der halböffentliche zum öffentlichen Raum in der gezielten Nutzungs-Motivation. Obschon die Primärzielgruppe Konsumentinnen und Konsumenten im eigentliche Sinne sind, stehen diese Räume auch Nicht-Konsumenten und somit der Allgemeinheit zur Verfügung. Ähnlich sieht es mit Schulplätzen und Sportanlagen aus. In den meisten Fällen fungiert die Schule als Institution als Besitzerin. Primär für eine bestimmte Zielgruppe (SchülerInnen) gedacht, bleibt es der Allgemeinheit jedoch nicht verwehrt diese Plätze zu nutzen. Zusammengefasst sind halböffentliche Räume Räume, die weder dem öffentlichen noch dem privaten Raum zugeordnet werden können. Sie unterscheiden sich von den öffentlichen Räumen zudem durch die Existenz nutzungsrelevanter (Haus)-Ordnungen. Aus Sicht der NutzerInnen bestehen jedoch keine Unterschiede zwischen öffentlich und halböffentlichen Räumen. Sie nehmen in der Regel alles als der „nutzbare öffentliche Raum“ wahr.

Die Rolle von Mjal im öffentlichen Raum

MJAL bietet Unterstützung für Jugendliche und Jugendgruppen um ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und ein autonom handlungsfähiges Gesellschaftsmitglied zu werden. Die MJAL begleitet und hilft bei der Klärung ihrer Situation, bei der Formulierung eigener Wünsche und Ziele und bei der Klärung eigener Ressourcen. Unterstütz die Jugendlichen bei Divergenzen welche mit anderen Nutzern auftreten, vermittelt aber auch Wert- und Normvorstellungen an das Verhalten im öffentlichen Raum. Die Fachleute von MJAL benötigen für eine erfolgreiche Arbeit eine differenzierte Wahrnehmung der individuellen Lebenswelt und Alltagssituation der Jugendlichen. Dies setzt gut und fachspezifisch ausgebildete Fachleute voraus. Aufsuchende Jugendarbeit bedeutet in erster Linie Beziehungsarbeit. Dazu muss eine persönliche Bindung aufgebaut werden, um die Gewohnheiten, den Lebensrhythmus, die Ausdrucksformen und die kulturellen Hintergründe der Jugendlichen zu verstehen. Jugendliche sind Teil dieser Gesellschaft und haben als Teil dieser  einen legitimen Anspruch auf öffentlichen Raum. Die MJAL unterstütz die Jugendlichen diese Ansprüche gelten zu machen klärt aber auch über Pflichten im Zusammenhang mit Verhalten im öffentlichen Raum auf.

Mjal Wettingen/ Januar 2014 Flavio Uhlig 

 

Inklusion ist Menschenrecht

Ein Bericht im Rahmen der Teilnahme an der bundesweiten Streetworktagung 2013

Einleitung

Alle Menschen sind gleich. Sie dürfen nicht benachteiligt, sondern bereits junge Menschen sollen gefördert werden. Alternative Lebens-entwürfe und -formen gehören zu einer pluralistischen Gesellschaft. Menschen haben ein Recht auf Teilhabe und Mitbestimmung. Doch wie sieht unsere Realität vor Ort bzw. im Arbeitsfeld Streetwork/Mobile Jugendarbeit wirklich aus? Was ist an der Inklusionsdebatte für uns neu, hilfreich und spannend?

Aktuell

Die aktuelle Inklusionsdebatte thematisiert alle benachteiligend wirkenden Heterogenitätsmerkmale, wie sexuelle Orientierung, Herkunftskultur, Religion, Weltanschauung, Geschlecht, Szene oder Milieu. Die moderne Gemeinwesenarbeit bezieht dies in die zeitgemäßen fachlichen Diskurse und Konzepte mit ein. Soziale Arbeit, Stadtplanung, berufliche Unterstützungsprogramme, Jugendeinrichtungen und Schulen sind auf gesellschaftliche Vielfalt bezogen. Die Akteure leben in einer transkulturellen und pluralen Gesellschaft, mit vielfältigen, multikulturellen und stark individualisierten Lebensentwürfen. Neue konkrete Ansätze und Methoden werden entwickelt, um aktiv Ent-diskriminierung und Chancengleichheit herbei zu führen. Teilhabe, Gerechtigkeit, Mitgestaltung und Selbstwirksamkeit sind auch bei sogenannten stigmatisierten und marginalisierten Adressat_innengruppen zu ermöglichen.

Inklusion und Mobile Jugendarbeit

Die Qualitätsstandards von Streetwork/Mobiler Jugendarbeit orientieren sich an einer parteilichen, für die Interessen der Adressat_innen ausgerichteten Lobbyfunktion. Streetwork/Mobile Jugendarbeit setzt bereits vielfach den gewünschten Inklusionsgedanken in die Praxis um, ohne dies bisher deutlich und fachlich begründet zu kommunizieren. Streetwork/Mobile Jugendarbeit wirkt gerade auf lokaler Ebene. Die nun beginnende Fachdebatte wird prägend mitgestaltet. Sie spricht regional teilweise exklusiv von Stigmatisierung und Marginalisierung bedrohte Menschen an. Sie unterstützt Akteure gelingender selbst organisierter Projekte. Die öffentliche Aufmerksamkeit wird erzeugt und ein wichtiger Beitrag zum Inklusionsdiskurs entsteht. Streetwork/Mobile Jugendarbeit hat im sozialen Angebotsportfolio von Städten, Kommunen und Gemeinden eine zentrale und herausragende Stellung.

Die Fachstandards von Streetwork/Mobiler Jugendarbeit beschreiben eine aufsuchende, sozialräumliche und lebensweltorientierte Arbeit. Die Grundlagen sind niedrigschwellige, akzeptierende und ganzheitliche Beziehungsarbeit. Entwicklung wird gefördert. Die Beratungs- und Begleitungsprozesse der Fachkräfte haben eine bedeutende Rolle. Sie befähigen, gestalten und moderieren Inklusionsprozesse im sozialen Raum. Die vielfach geforderte Lobbyfunktion und parteiliches Arbeiten bekommen dadurch eine bedeutende gesellschaftspolitische Dimension und stehen in Verantwortung. Voraussetzungen sind klare Sprachfähigkeit, argumentative Sicherheit im fachlichen Diskurs und eine durchgängig auf Inklusion drängende Arbeitshaltung. Ethische, fachliche und sozialpolitische Positionen müssen dabei neu justiert werden. Für die Praxis bedeutet dies, den Inklusionsbegriff für die eigene Arbeit und eine verstärkte Akzentuierung auf lebensweltorientierte sozialräumliche Handlungsweise zu kommunizieren. Es bedeutet ein sicheres und reflektiertes Anwenden von qualitativen sozialräumlichen Forschungs- und Arbeitsmethoden. Der permanente Wechsel von Alltagsforschungsperspektiven zur motivierenden Moderation in non-formalen Gruppenbildungsprozessen wird begleitet. Es erfordert die Entfaltung einer Alltagssprache, die nicht bevormundet, Probleme und Vorannahmen rekonstruiert. Die inklusive Gesprächsführung bestärkt, zeigt Kompetenzen, Besonderheiten und Einzigartigkeiten von handelnden und selbstverantwortlichen Subjekten auf.

Die bundesweite Streetworktagung 2013, an welcher auch die MJAL Wettingen teilnahm, widmete sich zum ersten Mal dem Thema Inklusion im Arbeitsfeld Streetwork/Mobile Jugendarbeit. Es kamen Expert_innen zu Wort, die sich seit Jahren mit dem Inklusionsbegriff aus unterschiedlichen Blickwinkeln befassen, wie Ethik und Menschenrecht, Bildung und Gesundheit, Diversity und Transkulturalität sowie Erlebnispädagogik und Risikobegleitung. Inspiriert durch Impulsvorträge wurden unterschiedliche Blickwinkel und Fragestellungen in Arbeitsgruppen, Workshops und Gesprächskreisen vertieft und auf die Übertragbarkeit für Streetwork/Mobile Jugendarbeit untersucht. Die Tagungsteilnehmer_innen entwickelten Handlungsempfehlungen zur Weiterarbeit für das Arbeitsfeld und für die eigenen Projekte vor Ort. 

MJAL Wettingen/ November 2013 Flavio Uhlig

 

Bericht zum Somoking Joe

 

Gespannt wie sich der Leiterwagen ziehen lässt, machen wir uns am Mittwoch gegen den späteren Nachmittag auf den Weg. Die orangen Taschen sind umgehängt und auf dem Leiterwagen ist ein Ofen montiert. Gut fixiert ist er, hat uns auch sicherlich zehn Minuten gekostet bis wir es so hatten, dass es einigermassen kippsicher ist. Das Feuer brennt und der Apfelpunsch ist erhitzt. Los geht`s. Nach gefühlten drei Stunden sind wir ohne grosse Überschwemmung vor der Migros in Wettingen angekommen. Mit dicken Wollmützen und Handschuhen standen wir in der Kälte und verteilten Apfelpunsch an die Passanten. Was ein klein wenig Wärme auslösen kann….

Anregende und spannende Unterhaltungen fanden statt und die Aufsuchende Jugendarbeit konnten wir so der Bevölkerung ein Stückchen näher bringen.

 Also, wenn ihr einen fahrenden Ofen sichtet und orange Taschen, dann denkt dran: MJAL * mit de Jugend unterwägs*.

MJAL Wettingen/ April 2013 Rahel Johnson